Herzinfarkt

Beim Herzinfarkt, auch akutes Koronarsyndrom, handelt es sich um akut auftretende Verschlüsse einer oder mehrerer Koronararterien, Herzkranzgefäße, mit nachfolgenden ischämisch bedingten Myokardnekrosen, Herzmuskelvernarbungen.

Die Nekrose im Herzmuskelbezirk entsteht infolge einer anhaltenden kritischen Herabsetzung oder völligen Unterbrechung der Blutversorgung über die Herzkranzgefäße. Gekennzeichnet ist der Herzinfarkt durch folgende Kriterien:
Anhaltender präkordialer Schmerz, typische EKG-Veränderungen und Erhöhung von Enzymaktivitäten im Serum. Eine Unterbrechung der Durchblutung im Bereich der Herzkranzgefäße wird etwa 20 bis 30 Minuten lang ohne irreversible Schädigung toleriert. Ein Verschluss der Koronargefäße kann hervorgerufen werden durch eine Thrombose im Bereich einer arteriosklerotischen Stenose, am häufigsten kommt es zum Aufbrechen oder Unterbluten arteriosklerotischer Plaques mit Freisetzung thrombogenen Materials mit sekundärem Verschluss. Seltener sind Gefäßspasmen, embolische Gefäßverschlüsse, Gefäßentzündungen mit oder ohne vorbestehende Stenosen für einen Myokardinfarkt verantwortlich.

Klinisch äußert sich der Herzinfarkt meist durch einen akuten, anhaltenden nitrorefraktären Brustschmerz meist direkt hinter dem Sternum (Brustbein) und/oder linksthorakal. Meist kommt es zu einer Schmerzausstrahlung in die linke Schulter und/oder in den linken Arm, seltener in den Hals, Unterkiefer, abdominell oder den rechten Arm. Neben einer vegetativen Symptomatik, wie Übelkeit, Erbrechen oder Schweißausbruch, kann ein allgemeines Schwächegefühl mit Dyspnoe und massiven Ängsten vorliegen.

Es sei jedoch zu erwähnen, dass die Symptomatik geschlechtsspezifisch unterschiedlich verläuft, im Gegensatz zu Frauen zeigen Männer meist die klassischen Herzinfarktsymptome. Bei ausgeprägtem Diabetes mellitus kann sich der Myokardinfarkt aufgrund der allgemein vorhandenen autonomen Neuropathie schmerzlos zeigen. Die Lokalisation eines Herzinfarktes wird im Wesentlichen von der Lokalisation des Koronararterienverschlusses her bestimmt, wobei der jeweilige Versorgungstyp (Normal-, Rechts-, Linksversorgungstyp) mit zu berücksichtigen ist.

Überwiegend ist die Wand des linken Ventrikels betroffen. Sowohl Vorderwand- als auch Hinterwandinfarkte können auf das Kammerseptum übergreifen. 2-3% aller Herzinfarkte sind im rechten Ventrikel lokalisiert, auch eine Infarzierung der Vorhöfe ist selten. Als Re-Infarkt bezeichnet man einen zweiten Infarkt, der zeitlich in einem deutlichen Abstand von dem ersten Ereignis auftritt. Re-Infarkte sind relativ häufig, etwa jeder zweite tödliche Herzinfarkt ist ein Re-Infarkt. Der Zweitinfarkt ist eine frische Nekrose, die im Gegensatz zum Re-Infarkt noch während der akuten Phase des Erstinfarktes an einer anderen Stelle auftritt und meist tödlich verläuft. Je ausgedehnter der Herzinfarkt ist, desto schwerwiegender sind die hämodynamischen Folgen.
Entsprechend der veränderten Hämodynamik lassen sich folgende Untergruppen abgrenzen: Beim unkomplizierten Herzinfarkt (ca. 55%) liegt ein kleines Infarktareal mit einer regelrechten Pumpfunktion des Herzens vor. Der diastolische Pulmonalarteriendruck ist mäßig erhöht durch die verminderte Dehnbarkeit des linken Ventrikels. Der Herzinfarkt mit Herzinsuffizienz (ca. 25%) zeigt ein Infarktareal von mittlerer Größe. Klinisch imponieren Zeichen der Linksherzinsuffizienz, wie Atemnot, Rasselgeräusche, ein 3. Herzton. Der zentrale Venendruck ist erhöht, sowie der Pulmonalarteriendruck bei gleichzeitig vermindertem Herzzeitvolumen. Beim kardiogenen Schock (10 – 15%) liegt ein großes Infarktareal vor. Die Pumpfunktion des Herzens ist hochgradig vermindert mit einem Herzzeitvolumenindex unter 2,0 l/min/m². Der systolische Blutdruck liegt unter 90mmHg und die Urinproduktion sinkt stündlich auf unter 20ml ab. Es zeigen sich deutliche Hinweise für eine verminderte Organperfusion. Die Mortalität liegt bei 80 bis 100%.

04/05/2020

Herzinfarkt

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